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Herzlich Willkommen in der Galerie
Rotation31 in der Remise
Klaussstraße 29-31 (Innenhof)
D 36251 Bad Hersfeld 
Renate Wandel – Werkzyklus „Apokalypse“
Spannender Brückenschlag zwischen Bibel und Träumen –
Ein Epos über Hoffnung, Schrecken und Visionen.


Die Galerie Rotation31 zeigt derzeit den umfassenden Werkzyklus „Apokalypse“ der Malerin und Bildhauerin Renate Wandel. Mit über 42 ausgewählten, teils großformatigen Arbeiten öffnet sich ein eindrucksvoller Blick in ein künstlerisches Universum, das die Künstlerin seit nahezu sechs Jahrzehnten begleitet. Die Vernissage fand am Sonntagvormittag statt und stieß auf großes Interesse.

Kaum ein anderes Thema ist heute so gegenwärtig wie die Apokalypse: Klimakrise, Pandemien, Kriege und gesellschaftliche Umbrüche haben dem Begriff neue Dringlichkeit verliehen. Während Popkultur ihn häufig mit Weltuntergangsszenarien verbindet, zeigt die biblische Überlieferung – insbesondere die Offenbarung des Johannes – auch eine Dimension der Hoffnung. Genau diese Ambivalenz ist der Kern von Renate Wandels künstlerischer Auseinandersetzung.

Schon Nietzsche erinnerte daran: „Wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zugrunde gehen.“ In Wandels Werken wird diese Erkenntnis sichtbar. Sie spiegeln Katastrophen und Licht, zerstörerische Wucht und zarte Hoffnung. „Hier geht es um die Apokalypse – im ersten Gedankengang die absolute Katastrophe. Doch das durchdringende Licht bringt einen Schimmer der Hoffnung, sodass nicht alles verloren scheint“, erläutert die Künstlerin selbst.

Ein zentraler Komplex des Zyklus sind die vier apokalyptischen Reiter, die Wandel seit ihren Studienjahren begleitet und immer wieder neu interpretiert. Ursprünglich Boten des Weltendes, werden sie bei ihr zu Symbolen drängender globaler Herausforderungen: Krieg, Krankheit, ökologische Bedrohung, soziale Schieflagen. Ihre Botschaft ist klar: Wer sich ihnen stellt, kann Wege zu realistischen Perspektiven der Hoffnung erschließen.

Der Ursprung des gesamten Zyklus liegt im Jahr 1966, kurz nach Beginn ihres Studiums an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin. Die frühe Arbeit „Apokalyptische Reiter“ (Öl auf Leinen, 130 × 130 cm) markierte den Auftakt eines Lebenswerks, das sich über Jahrzehnte fortentwickelte – in Gemälden, Skulpturen, Grafiken und Collagen. Ihre Bildsprache oszilliert zwischen feurigen Farben, Symbolen der Finsternis, Visionen und Engeln – stets eindringlich und voller innerer Spannung.

Bei der Vernissage führte die Kunsthistorikerin Diana Trojca MA (Erfurt) in Wandels Werk ein. Sie hob die kunsthistorischen Verflechtungen hervor – von Rodins „Höllentor“ über Dürers Apokalypse-Holzschnitte bis zu modernen Interpretationen von Krieg, Unrecht und Zeitenwende. Trojca beschrieb Wandels Arbeiten als „Bilder mit Wucht“, die zugleich mahnen und den Blick in eine neue Zeit öffnen.

Die Ausstellung „Renate Wandel – Werkzyklus Apokalypse“ gibt einen seltenen, konzentrierten Einblick in ein künstlerisches Lebenswerk von großer Aktualität. Sie lädt dazu ein, sich den großen Fragen unserer Zeit zu stellen – und dabei den Funken Hoffnung zu entdecken, der selbst im grellsten Licht der Katastrophe sichtbar bleibt.

Einführende Worte zur Ausstellung Apokalypse
in Bad Hersfeld am 23.11.2025

 

Liebe Kunstfreunde, liebe Renate,

 

Wenn Feuerfarben, Lichtbrechungen und Farbgewalten über den Malgrund sprühen, ja geradezu lodern, dann taucht der Betrachter ein, in das Werk von Renate Wandel. In dieser Ausstellung zeigt sie Motive zur Apokalypse. Gewaltig und kraftvoll lodern ihre Pinselschwünge und lassen ihre Visionen und Traumfragmente sichtbar werden. Schon der Altmeister H. Bosch versuchte sich an diesem Thema. Auch das Höllentor von Rodin zeigt eine Sequenz zu eben diesem. In der Malerei von Wandel sind es viele Motive, die schon Dürer malte, das Endgericht schien nahe. Damals wie heute sind diese Themen noch aktuell und präsent, Engelssturz, Hölle und Kriege. So ist es der Teufel oder Satan, so sind es Machtansprüche, geführte Kriege, die wir täglich über alle Medien sehen können. In Wort und Bild. Aber, wie ist es,  diese Motive in Kunst und in Farben zu sehen? Wandel nimmt den Betrachter mit und verarbeitet diese Motive in einer faszinierenden Handschrift. Ihre Figuren sind stets in Bewegung, sie haben einen besonderen Rhythmus in der Gestaltung und werden in Farbe gefasst, verändert und definiert. Wie ist das aber nun mit der Endzeit? Philosophen, Historiker und Maler beschäftigen sich immer wieder damit. Das endgültige, von Gott allein gesetzte Ende wird oft als Endkampf Gottes gegen den Satan und seinen dämonischen und menschlichen Anhang (vgl. Höllensturz) verstanden, der zur von Gott vorbestimmten Zeit beginnt (Mt 24 EU).

 

Dieser Endkampf zwischen „Gut“ und „Böse“, Licht und Finsternis löst sich auf in Farben, schaut man auf ihre Bilder. Der Erzengel Michael, auch von Wandel gemalt, tritt herzu. Michael, der Engel, der in das Lebensbuch schaut und abwägt, wird in der Offenbarung beschrieben. Die Apokalypse  - griechisch ἀποκάλυψις „Enthüllung“, im Christentum übersetzt als Offenbarung- ist ein Genre in der Kunst mit Motiven vom „Weltuntergang“, der „Zeitenwende“ und der „Enthüllung göttlichen Wissens“. Renate Wandel setzt sich in einem imposanten und expressiven Bildzyklus damit intensiv auseinander. Ihre Visionen und auch der Traum spielen dabei eine wichtige Rolle. Sie sieht, hört und fühlt ihre Bildmotive. In prophetischer Bildsprache berichtet sie eine 

Erscheinung und zeigt ihre gemalte  Apokalypse, ja sie zeigt das katastrophale „Ende der Welt“ und das Kommen und Sein eines Neuen Reiches.Blickt man in die Offenbarung des Johannes wird klar, hier liegen ihre Inspirationen, die auch schon frühere Künstler für sich entdeckten. Aber diese Themen spielen in der Gegenwartskunst kaum eine große Rolle spielt. Bei ihr schon. Das Auge Gottes schaut über die Erde, auf uns.  In der Bildkunst von Wandel werden  radikale innerweltliche Veränderungen in Metaphern des Weltuntergangs gemalt und skizziert und man kann in ihren Symbolen, Farben und Motive erkennen, dass man den Hintergrund nahezu erleben kann, ob in Malerei oder Grafik. Dabei sind es auch immer wieder ihre Engel, die als Mittler zwischen Gott und Mensch agieren, die sichtbar werden. Ihre Engel sind  als Offenbarer der Zukunft oder Deuter der Zukunftsvisionen ins Format gebracht wurden.

 

Gegenwart und Zukunft

 

Blickt man in die Kunstgeschichte, so merkt man, Endzeiterwartungen begegnen uns schon im 8. Jahrhundert v. Chr. in der frühen Unheilsprophetie. Nicht zuletzt ist auch die Messiaserwartung tendenziell apokalyptisch, da der Messias die Unrechts- und Gewaltgeschichte der Welt abbricht und zu einem gerechten Ende führt. (Jes 9 EU). Bei Jesaja wird der Messias als Weltrichter dann schon mit der Vorstellung einer endgültigen Verwandlung des ganzen Kosmos einschließlich der Naturgesetze verknüpft (Jes 11 EU).Bei Wandel zeigt sich dann und wann auch schon eine  „große“ Vision vom Kommen Gottes zum Endgericht (Dan 7 EU), das die ganze Weltgeschichte endgültig wenden werde: Alle Gewaltherrschaft werde dann vernichtet werden. Der „Menschensohn“ – Gottes ursprüngliches Ebenbild – erscheint, erhält Gottes volle Macht und verwirklicht damit die von den Propheten angekündete ewige Gottesherrschaft.

 

Die Offenbarung des Johannes ist das einzige insgesamt apokalyptische Buch, das von urchristlich-apokalyptischen Schriften in den Kanon des Neuen Testaments aufgenommen wurde. Es wird nach seinen Anfangsworten Apokálypsis Jesu Christu … im Christentum oft einfach Apokalypse genannt.

 

In ihren feurigen Farben, in der immer wieder übermalten Farbhaut, malt sie den Endkampf zwischen „Gut“ und „Böse“, Licht und Finsternis. Dann und 

wann verwendet sie Wörter oder Wortfragmente, um sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Unrecht, Gewalt, Hass oder Angst. Man könnte auch noch ergänzen mit Hungersnöten, Seuchen, denen der Tod unmittelbar folgt. Kinder erleben diese Gewalt besonders. Aber, wenn Gott Vater auf der Mandorla sitzt, unter ihm ein Regenbogen zu sehen ist, dann scheint der gute Bund zwischen ihm und den Menschen zu bleiben. Vielleicht hat der Erzengel Michael doch die Pforten geöffnet und erkennt den guten Menschen. In nahezu golden wirkenden Farben zieht sich ein Farbstrudel in den oberen Teil eines Bildes. Der Mensch ist skizzenhaft zu sehen, in heftiger Bewegung und Drehung. Das große Format nimmt den Betrachter mit hinein in das Geschehen. Wandels Vision greift in den Raum. Menschen auf der Flucht, auf der Suche nach Halt, nach Leben stürmen über Bildgründe und lassen auch an Adam und Eva denken. Vielleicht auch in der komplexen Gestaltung der Bilder. Sie verbindet Motive des AT und NT. Kaum eine andere Künstlerin bringt den Gedanken an Vanitas und MEMENTO MORI so explizit zum Ausdruck. Es ist Wandel gelungen, eine Bildsprache zu finden, die wach rüttelt, Augen öffnen kann. Carpe Diem. Zu erkennen an den Gesten der verzweifelten Menschen.  Michaels Kampf gegen den Satan zeigt das göttliche Licht über ihm. Der, der zur Rechten Gottes sitzt, quasi als Vizekönig im Himmel, tötet Satan. Der letzte Baum ist eine Mahnung, die sie gemalt hat. Überhellt wird er aber von Licht, von einem neuen Glanz. In diesem Sinne erleben Sie diese Bilder als Wucht und Statement zur heutigen Zeit.  

 

Diana Trojca, M.A. Erfurt, im November 2025

Öffnungszeiten: 
täglich 10.30 bis 12.30 Uhr
zusätzlich vom 27. Aug. bis 12. Sept. 
Mittwoch, Donnerstag + Freitag
17.00 bis 19.00 Uhr
und nach telefonischer Absprache:
0177 53 66 9 66

Mohammed Al-Hawajri

wurde 1976 im Flüchtlingslager Bureij im Gaza Streifen geboren. Er studierte Kunst bei Marwan Kassab-Bachi und nahm mehrmals an Akademien der Khalid Shoman Fundation Darat Al Funun in Jordanien teil.

Von 2008 bis 2009 erhielt er ein Stipendium für einen Aufenthalt an  der Cité International des Arts in Paris. Kurz darauf gründete er gemeinsam mit anderen Kunstschaffenden im Gaza Streifen das Kollektiv ELTIQA.
Seit Ende der 1990er Jahre wurden Kunstwerke von Mohammed Al-Hawajri in über 30 Einzel- und Gruppenausstellungen auf der ganzen Welt gezeigt.
2022 waren Werke von ihm auf der documenta 15 in Kassel zu sehen. Seine Werke sind in verschiedenen Sammlungen zu finden, unter anderem im Museum des Instituts für die arabische Welt in Paris, in den Khaled Shoman Sammlungen in Darat Al-Funun, in der Ecole Cantonale d’Art du Valais in der Schweiz, im Casoria Museum für zeitgenössische Kunst in Neapel, Italien, in der jordanischen Nationalgalerie, im Museum Dar El-Nimer für Kunst & Kultur im Libanon, und auch in Privatsammlungen.
 

Anwesend war er bei der Ausstellungseröffnung mit seinen Arbeiten im Januar 2025 im Kunst- und Geschichtsmuseum Genf.

Mohammed Al-Hawajri lebt inzwischen mit seiner Frau und den beiden Kindern in Abu Dhabi in den arabischen Emiraten, nachdem durch israelische Bomben sein Atelier und ein erheblicher Teil seines Werkes vernichtet wurde.

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Der Palästinenser Al-Hawajri zeigt seine verbotenen Bilder 
Peter Arlt


In Gaza sind Leute eingefallen und eignen sich mit Zerstörung und Tod den Raum an. Das klagt Mohammed Al-Hawajri mit seinen Bildern an. In „Guernica – Gaza“ beleuchtet er über die geflickte Leitung mit dem Licht vom Bild „Guernica von Picasso“ die  Schrecknisse im Landstrich Gaza. Das Bild „Guernica“ bezieht sich auf das bekannte historische Ereignis von 1937, das dem Picasso-Gemälde den Titel gab, und ist ein Symbol für das Schrecken, friedliche Menschen zu vernichten und übertragbar auf das Bombardement der israelischen Streitkräfte auf Gaza, das vornehmlich der Hamas galt, aber vor allem Frauen, Kinder und unbewaffnete Männer traf.  Den Sehnsüchten und Interessen, der Trauer und Wut der Menschen in Palästina, zudem eine Spiegelung der Empfindung der israelitischen Seite, geben Al-Hawajris Bilder Ausdruck und können zur Besinnung beitragen. Da die Freiheit der Palästinenser nicht mit Waffengewalt errungen werden kann, erheben sich die Palästinenser mit „Genug ist genug!“ gegen die islamistische Hamas.
Al-Hawajris Bilder sind eine Gegenwehr zum Krieg, sie wenden sich gegen die einmarschierenden israelischen Soldaten und die einrollenden Panzer mit der friedlichen Feier der „Ernte“ und den „Ährenleserinnen“, von François Millet übernommene Sujets. Damit jeder sich ein Bild machen kann, zeigt mit dem Kurator Jürgen Lindhorst die Galerie „Rotation 31“ in Bad Hersfeld eine Exposition der Bilder Al-Hawajris aus der Sammlung des Politikwissenschaftlers Norman Paech. 

 

Mohammed Al-Hawajri: Guernica - Gaza, Digital Print auf Al. Foto: Friedhelm Fett

Mohammed Al-Hawajri: Guernica - Gaza, Digital Print auf Al. (Insp. Pablo Picasso)
Foto: Friedhelm Fett

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